Alexandra Baumann bietet Trauerreden im Kanton Zürich an
6. Mai 2026

Trauerrednerin – ein trauriges Business?

14 Monate ist es her seit meinem letzten Blogpost. Seither geschah ganz viel Leben. Ich verlor meine Mutter und machte kurz danach eine Ausbildung als Trauerrednerin. Das war so viel mehr als ein Lehrgang für mich – es war eine Lebensschule.

Warum ausgerechnet Trauerreden? Das ist doch sehr häufig eine traurige Aufgabe

Diese Frage wurde mir in den letzten Monaten unzählige Male gestellt. Auch ich habe mich zwischendurch gefragt, ob Abschiedszeremonien halten das “Richtige” ist für mich. Denn ich war oft gefordert während der Ausbildung. Drei Monate zuvor war meine Mutter verstorben und ich war voll in meinem – oft sehr heftigen – Trauerprozess drin. Und trotzdem wusste ich schon in der ersten halben Stunde: Das ist genau das, was ich machen will.

Denn wir wurden am ersten Ausbildungstag ganz schön ins kalte Wasser geschubst. Unsere Vorstellungsrunde machten wir in der Abdankungshalle vom Friedhof Nordheim – also sozusagen unter “realen” Bedingungen, ausser, dass statt trauernden Angehörigen unsere Klassengspänli vor uns sassen.

Erster Ausbildungstag zur Trauerrednerin

“Ich habe die schwierigste Trauerfeier meines Lebens
schon hinter mir”

So begann ich die Vorstellung meiner Person. Denn die Tatsache, dass ich die Abschiedszeremonie meiner Mutter gestaltet hatte, wird mich für immer prägen. War es traurig? Ja. Es war vermutlich die traurigste Aufgabe meines ganzes Lebens – und gleichzeitig einer der schönsten Momente, seit ich schreibe und vor Menschen spreche. Denn ich konnte damit die Person honorieren, die mich zu dem machte, wer ich heute bin.

War es im Nachhinein richtig, die Zeremonie für meine Mutter zu schreiben und zu gestalten? Darauf gibt es wohl keine einfache Antwort. Ich habe in diesen Stunden einfach “funktioniert”, den Raum für die anderen anwesenden Menschen gehalten – statt selber zu trauern. Meine Lehrgangsleiterin Esther Cossalter empfahl mir, ich solle für mich selbst auch mal noch ein ganz persönliches Abschiedsritual gestalten. Denn mein eigener Trauerprozess kam bei mir zu kurz am Tag, als wir meine Mutter beerdigten. Und trotzdem würde ich es wohl immer und immer wieder gleich machen.

Ein Leben in Worten honorieren

Eine freie Trauerfeier bietet jenseits von religiösen Konventionen die Möglichkeit, auf ganz persönliche Weise Abschied zu nehmen. Im Falle meiner Mutter durften wir diesen speziellen Moment draussen im Garten begehen und die Stimmung, die sich zeigte, war für mich ein Zeichen: Sie hat uns dabei zugeschaut.

Ich durfte ihr Leben, ihre Liebe, ihre Eigenschaften in meinen Worten honorieren. Wir haben geschmunzelt, geweint und das schönste war für mich, wenn ich die Menschen in der Runde zustimmend nicken sah – dann wusste ich: Ich habe es “getroffen”. Und mit dem Lied, welches sie sich immer gewünscht hatte, haben wir uns von ihr verabschiedet.

Abschiedszeremonien gestalten wird für mich nie
einfach ein “Business” sein

Von diesen Momenten und Emotionen berichtete ich an jenem trüben Januartag meinen Lehrgangskolleginnen und den Lehrgangsleitenden der Talentschmiede für Zeremonien. Und während ich am Rednerinnen-Pult stand und dabei mit meinen Trauergefühlen kämpfte, spürte ich ganz tief in mir drinnen: Trauerreden schreiben und halten wird für mich niemals einfach ein “Business” sein – es ist eine Herzensangelegenheit.

Werde ich dabei noch manchen traurigen Moment erleben? Ganz bestimmt. Doch ich scheue mich nicht davor. Ich möchte Lebensgeschichten erzählen. Ich möchte Angehörigen in schwierigen Zeiten Unterstützung bieten können. Und ich möchte die verstorbenen Personen damit honorieren, dass ich in der Schatzkiste an Erinnerungen, die sie hinterlassen, die Perlen ihres Lebens herausfische und davon erzähle. Mein Mami hat mir auf diesem Weg einen wichtigen Meilenstein gelegt. Dafür werde ich immer dankbar sein.

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